Kultur und Sprache in Madagaskar
Salama Be! 😊
Sehr viele Leute stellen mir Fragen über die Sprache und das Aussehen der Madagassen und sind von den Antworten recht überrascht! Deshalb entschied ich mich, auch über diesen Aspekt meiner Reise einen kleinen Eintrag zu schreiben.
Was viele nicht wissen, ist, dass Madagaskar nicht nur von Säugetiergruppen wie den Lemuren erst relativ spät (was in diesem Fall etwa vor 50 Millionen Jahren bedeutet) besiedelt wurde, sondern auch einer der am spätesten vom Menschen erreichten Flecken der Erde ist (neben Neuseeland). Während Afrika, Europa, Asien und selbst Amerika schon längst vom Homo sapiens bevölkert waren, kam er auf Madagaskar erst vor etwa 2000 Jahren an, und das obwohl die "Wiege der Menschheit" in Westafrika nicht viel mehr als 1000 Kilometer entfernt ist!
Erstaunlicherweise erfolgte die Erstbesiedlung auch nicht von der Küste Afrikas aus, sondern durch seefahrende Völker aus dem mehr als 5000 Kilometer entfernten Indonesien!
Starke Meeresströmungen hatten es den Menschen aus den nächstgelegenen afrikanischen Gebieten Jahrtausende lang unmöglich gemacht, die Straße von Mosambik zu überqueren!
Mithilfe verbesserte Technologien folgten die Bantu (ein Volk aus Westafrika) dennoch vermutlich nur wenige Jahrhunderte später und ihre Kultur und Sprache mischten sich recht schnell mit der der bereits ansässigen Indonesier.
Etwa um das Jahr 1000 herum erreichten auch Arabische Sklavenhändler die Westküste Madagaskars und ließen sich dort nieder.
Der erste Europäer, der eher versehentlich nach Madagaskar geriet, war gegen 1500 der Portugiese Diege Dias, nach dem die große Stadt Antsiranana im Norden Madagaskars inoffiziell immer noch als "Diego" bezeichnet wird.
Während der Kolonialzeit konnte Frankreich Madagaskar Ende des 19. Jahrhunderts für sich beanspruchen und hielt es (mit einer unterbrechenden britischen Regierung während des Zweiten Weltkrieges) bis zur Autonomität zum Ende der 1950er-Jahre in teils brutaler Unterdrückung.
Natürlich ist jede Kultur und jede Sprache mehr oder weniger gemischt, aber in Madagaskar fällt mir besonders auf, wie sehr die vielen unterschiedlichen Einflüsse im alltäglichen Leben zutage treten!
Es fängt mit der Sprache (Malagasy) an: Die meisten Worte sind verwandt mit denen aus der borneensischen Sprache Ma'anyan, doch sind zum Beispiel Worte aus der Viehwirtschaft (Kuh=Omby) auch sehr nah an denen afrikanischer Sprachen wie Suaheli. Obwohl die Araber in Madagaskar immer in der Minderheit waren, haben sie mit weiter entwickelter Wissenschaft zum Beispiel die Namen für Jahreszeiten, Monate und Wochentage sowie das Grußwort "Salama", das dem hebräischen "Schalom" noch ziemlich ähnlich ist, etabliert.
Die Madagassischen Sprache enthält unglaublich viele Vokale (am meisten A's und O's) und oft die gleiche Silbe zwei oder drei Mal (Antananarivo, Lolo).
Bemerkenswert ist außerdem, dass das O meisten wie ein U und das J wie ein "Ds" ausgesprochen wird.
Natürlich ist auch die Zeit der Französischen Kolonialherrschaft nicht spurlos an der Kultur vorbeigegangen und mit seinem vielfach höheren Wortschatz hat es alle Lücken der Sprache mit Worten gefüllt, die die Madagassen vorher einfach nicht brauchten.
Neben kulinarischen Begriffen ist mir der Französische Einfluss vor allem bei dem Zählsystem aufgefallen: Obwohl es sehr komplizierte Begriffe für hohe Zahlen auf Malagasy gibt, kann sie so gut wie keiner richtig anwenden und es werden meist die französischen Ausdrücke verwendet, die für mich schon kompliziert genug sind!
Da die Sprache insgesamt immer noch einen ziemlich kleinen Wortschatz hat und gerade im Bereich der Wissenschaft die Begriffe fehlen, mischen beispielsweise die Guides im Gespräch miteinander immer wieder einfach die Englischen Begriffe für Tiere oder Fangmethoden ein, auch nach zwei Monaten meist das einzige, das ich verstehen kann...
Auch der Anblick des Landes ist sehr gemischt! Ich war zwar noch nie dort, habe aber gehört, dass die Art der Reiskultivierung noch immer stark der in Indonesien ähnelt und auch die traditionelle Kleidung recht wenig mit der des afrikanischen Festlandes gemeinsam hat. Die trockeneren Gebiete Madagaskars sehen den Savannen Madagaskars durch die geographische Nähe aber natürlich viel ähnlicher als dem Dschungel Südostasiens.
Französische Edel-Restaurants gibt es in der Stadt an jeder Ecke, auch wenn man oft das Gefühl hat, dass gewisse Aspekte bei der Zubereitung des Essens oder dem Verhalten der Kellner "missverstanden" wurden oder aus der französischen Zeit "schlecht in Erinnerung geblieben sind".
Das Aussehen der Menschen ist wohl der eindeutigste Hinweis auf die Geschichte Madagaskars:
Obwohl es auch viele ganz dunkelhäutige, eindeutlich Afrikanisch aussehende Menschen gibt, ist die Mehrzahl doch eher indonesisch, wobei es durch die Vermischung der verschiedenen Besiedlungsgruppen natürlich ein breites Spektrum zwischen beiden "Extremen" gibt. Tatsächlich habe ich aber noch nie so viele Menschen gesehen, die dem oft für nicht-existent gehaltenen "dunkelhäutigen Chinesen" so nahe kommen!
Jeder der 18 Fokos (Stämme) der Insel hat eine andere Abstammungsgeschichte und damit ein leicht unterschiedliches Aussehen.
Nun aber etwas zur Kultur der Madagassen:
Gerade in ländlichen Regionen leben die Menschen noch sehr traditionell und betreiben intensiven Ahnenkult. In bestimmten Stämmen und Gegenden wird mehr Geld für die Pflege der Gräber verstorbener Vorfahren ausgegeben als für den eigenen Lebensunterhalt!
Ein sehr wichtiger Teil der madagassischen Kultur sind die "Fadys", sehr strikte Tabus, die ganz individuell sein können oder in einer Familie, Gemeinde, in einem Stamm oder dem ganzen Land gelten können. Sie haben oft mit dem heiligsten Tier, dem Zebu-Rind oder dem Essen zu tun (weil vielen Tieren und Pflanzen schlechte oder gute Eigenschaften zugeschrieben werden, die man sich mit dem Verzehr aneignet) oder mit dem Umgang mit der Natur insgesamt (viele Madagassischen Säugetiere haben ihr langes Überleben im Vergleich zu bereits ausgestorbenen oder bedrohten Arten nur dem Schutz vor Bejagung durch ein weiträumiges Fady zu verdanken).
Meist ist mit einem Fady irgendeine Geschichte verbunden, die die Tabuisierung erklären soll.
Das Problem mit den Fadys ist, dass man selten weiß, ob es sich um eine rational begründete Angst handelt oder nur aus dem, auch bei der entwickelteren Bevölkerung Madagaskars sehr abergläubischen, Wesen hervorgeht. Abgesehen davon, dass man diese Tabus natürlich generell respektieren sollte, befolgt man sie meistens am besten ersteinmal und denkt sich seinen Teil, wenn man erkennt, dass es sich nur um einen Aberglauben handelt.
Ein gutes Beispiel dafür, wie unterschiedlich die Fadys von Dorf zu Dorf sein können, ist der Umgang mit Schlangen.
Da Madagaskar keine für den Menschen nennenswert giftige oder gefährliche Schlangen hat, nehmen Wissenschaftler sie oft in die Hand und werden dafür von den Madagassen fassungslos angesehen.
Der Leiter des Centre Valbio bekommt tatsächlich regelmäßig Beschwerdeanrufe von den Dorfbewohnern, die in der Umgebung Forscher dabei beobachtet haben, selbst wenn sie die Schlange nur von der Straße wegtragen.
Die Madagaskar-Hundskopfboa (Sanzinia madagascariensis) zum Beispiel, die mit etwa 2 Metern Länge eine der größten Madagassischen Würgeschlangen ist, wird bei Ihrem Auftauchen in manchen Dörfern als wiederkehrender Geist eines Verstorbenen gefeiert und umsorgt, in anderen als böser Dämon verfolgt und getötet.
Eine studierte Madagassin, die ein amerikanisches Forscherteam begleitet hat, ist neulich nicht mit ausgestiegen, als der Rest der Gruppe auf der Straße eine dieser hübschen Schlangen bewundert hat und hat mir später erklärt, dass ein Stamm-Fady ihr verbietet, Schlangen dieser Art anzufassen!
Die Madagassen sind von Natur aus trotz ihrer oft schlimmen Armut fröhlich, nett und sehr gastfreundlich. Gerade die Kinder freuen sich meist sehr, Ausländer zu sehen und rufen ihnen ihren Lieblingsgruß "Salamo Vazaha", was soviel wie "Hallo Fremder" bedeutet, schon von Weitem entgegen.
Trotzdem ist der verbreitete Aberglaube nicht der einzige Charakterzug, der einem den Umgang mit ihnen manchmal erschwert.
Es ist sehr deutlich, dass Madagassen ein Problem damit zu haben scheinen, Ausländern, vor denen sie manchmal großen Respekt haben, zu widersprechen! Will man eine wichtige Frage wirklich ehrlich beantwortet haben, darf man sie nicht so formulieren, dass die Antwort "Ja" oder "Nein" sein könnte, in diesem Fall ist sie nämlich immer "Ja".
Der nächste Blogeintrag wird nach meiner nächsten kurzen Dschungel-Expedition folgen.
Bis dahin,
Marc 🐍
Sehr viele Leute stellen mir Fragen über die Sprache und das Aussehen der Madagassen und sind von den Antworten recht überrascht! Deshalb entschied ich mich, auch über diesen Aspekt meiner Reise einen kleinen Eintrag zu schreiben.
Was viele nicht wissen, ist, dass Madagaskar nicht nur von Säugetiergruppen wie den Lemuren erst relativ spät (was in diesem Fall etwa vor 50 Millionen Jahren bedeutet) besiedelt wurde, sondern auch einer der am spätesten vom Menschen erreichten Flecken der Erde ist (neben Neuseeland). Während Afrika, Europa, Asien und selbst Amerika schon längst vom Homo sapiens bevölkert waren, kam er auf Madagaskar erst vor etwa 2000 Jahren an, und das obwohl die "Wiege der Menschheit" in Westafrika nicht viel mehr als 1000 Kilometer entfernt ist!
Erstaunlicherweise erfolgte die Erstbesiedlung auch nicht von der Küste Afrikas aus, sondern durch seefahrende Völker aus dem mehr als 5000 Kilometer entfernten Indonesien!
Starke Meeresströmungen hatten es den Menschen aus den nächstgelegenen afrikanischen Gebieten Jahrtausende lang unmöglich gemacht, die Straße von Mosambik zu überqueren!
Mithilfe verbesserte Technologien folgten die Bantu (ein Volk aus Westafrika) dennoch vermutlich nur wenige Jahrhunderte später und ihre Kultur und Sprache mischten sich recht schnell mit der der bereits ansässigen Indonesier.
Etwa um das Jahr 1000 herum erreichten auch Arabische Sklavenhändler die Westküste Madagaskars und ließen sich dort nieder.
Der erste Europäer, der eher versehentlich nach Madagaskar geriet, war gegen 1500 der Portugiese Diege Dias, nach dem die große Stadt Antsiranana im Norden Madagaskars inoffiziell immer noch als "Diego" bezeichnet wird.
Während der Kolonialzeit konnte Frankreich Madagaskar Ende des 19. Jahrhunderts für sich beanspruchen und hielt es (mit einer unterbrechenden britischen Regierung während des Zweiten Weltkrieges) bis zur Autonomität zum Ende der 1950er-Jahre in teils brutaler Unterdrückung.
Natürlich ist jede Kultur und jede Sprache mehr oder weniger gemischt, aber in Madagaskar fällt mir besonders auf, wie sehr die vielen unterschiedlichen Einflüsse im alltäglichen Leben zutage treten!
Es fängt mit der Sprache (Malagasy) an: Die meisten Worte sind verwandt mit denen aus der borneensischen Sprache Ma'anyan, doch sind zum Beispiel Worte aus der Viehwirtschaft (Kuh=Omby) auch sehr nah an denen afrikanischer Sprachen wie Suaheli. Obwohl die Araber in Madagaskar immer in der Minderheit waren, haben sie mit weiter entwickelter Wissenschaft zum Beispiel die Namen für Jahreszeiten, Monate und Wochentage sowie das Grußwort "Salama", das dem hebräischen "Schalom" noch ziemlich ähnlich ist, etabliert.
Die Madagassischen Sprache enthält unglaublich viele Vokale (am meisten A's und O's) und oft die gleiche Silbe zwei oder drei Mal (Antananarivo, Lolo).
Bemerkenswert ist außerdem, dass das O meisten wie ein U und das J wie ein "Ds" ausgesprochen wird.
Natürlich ist auch die Zeit der Französischen Kolonialherrschaft nicht spurlos an der Kultur vorbeigegangen und mit seinem vielfach höheren Wortschatz hat es alle Lücken der Sprache mit Worten gefüllt, die die Madagassen vorher einfach nicht brauchten.
Neben kulinarischen Begriffen ist mir der Französische Einfluss vor allem bei dem Zählsystem aufgefallen: Obwohl es sehr komplizierte Begriffe für hohe Zahlen auf Malagasy gibt, kann sie so gut wie keiner richtig anwenden und es werden meist die französischen Ausdrücke verwendet, die für mich schon kompliziert genug sind!
Da die Sprache insgesamt immer noch einen ziemlich kleinen Wortschatz hat und gerade im Bereich der Wissenschaft die Begriffe fehlen, mischen beispielsweise die Guides im Gespräch miteinander immer wieder einfach die Englischen Begriffe für Tiere oder Fangmethoden ein, auch nach zwei Monaten meist das einzige, das ich verstehen kann...
Auch der Anblick des Landes ist sehr gemischt! Ich war zwar noch nie dort, habe aber gehört, dass die Art der Reiskultivierung noch immer stark der in Indonesien ähnelt und auch die traditionelle Kleidung recht wenig mit der des afrikanischen Festlandes gemeinsam hat. Die trockeneren Gebiete Madagaskars sehen den Savannen Madagaskars durch die geographische Nähe aber natürlich viel ähnlicher als dem Dschungel Südostasiens.
| Ein Reisfeld im Morgengrauen |
| Gereifter Reis |
Französische Edel-Restaurants gibt es in der Stadt an jeder Ecke, auch wenn man oft das Gefühl hat, dass gewisse Aspekte bei der Zubereitung des Essens oder dem Verhalten der Kellner "missverstanden" wurden oder aus der französischen Zeit "schlecht in Erinnerung geblieben sind".
| Franözösisches Restaurant mit Weihnachtsdekoration |
Das Aussehen der Menschen ist wohl der eindeutigste Hinweis auf die Geschichte Madagaskars:
Obwohl es auch viele ganz dunkelhäutige, eindeutlich Afrikanisch aussehende Menschen gibt, ist die Mehrzahl doch eher indonesisch, wobei es durch die Vermischung der verschiedenen Besiedlungsgruppen natürlich ein breites Spektrum zwischen beiden "Extremen" gibt. Tatsächlich habe ich aber noch nie so viele Menschen gesehen, die dem oft für nicht-existent gehaltenen "dunkelhäutigen Chinesen" so nahe kommen!
Jeder der 18 Fokos (Stämme) der Insel hat eine andere Abstammungsgeschichte und damit ein leicht unterschiedliches Aussehen.
| Ein Kind, das dem Aussehen nach mehr Indonesische als afrikanische Gene hat |
| Lastenträger hoffen darauf, dass sie für eine Wanderung für einen Eurobetrag ausgewählt werden. |
Nun aber etwas zur Kultur der Madagassen:
Gerade in ländlichen Regionen leben die Menschen noch sehr traditionell und betreiben intensiven Ahnenkult. In bestimmten Stämmen und Gegenden wird mehr Geld für die Pflege der Gräber verstorbener Vorfahren ausgegeben als für den eigenen Lebensunterhalt!
| Eine heilige Grabstelle in den Beregen, die mit den Schädeln geopferter Zebu-Rinder dekoriert ist |
Ein sehr wichtiger Teil der madagassischen Kultur sind die "Fadys", sehr strikte Tabus, die ganz individuell sein können oder in einer Familie, Gemeinde, in einem Stamm oder dem ganzen Land gelten können. Sie haben oft mit dem heiligsten Tier, dem Zebu-Rind oder dem Essen zu tun (weil vielen Tieren und Pflanzen schlechte oder gute Eigenschaften zugeschrieben werden, die man sich mit dem Verzehr aneignet) oder mit dem Umgang mit der Natur insgesamt (viele Madagassischen Säugetiere haben ihr langes Überleben im Vergleich zu bereits ausgestorbenen oder bedrohten Arten nur dem Schutz vor Bejagung durch ein weiträumiges Fady zu verdanken).
Meist ist mit einem Fady irgendeine Geschichte verbunden, die die Tabuisierung erklären soll.
Das Problem mit den Fadys ist, dass man selten weiß, ob es sich um eine rational begründete Angst handelt oder nur aus dem, auch bei der entwickelteren Bevölkerung Madagaskars sehr abergläubischen, Wesen hervorgeht. Abgesehen davon, dass man diese Tabus natürlich generell respektieren sollte, befolgt man sie meistens am besten ersteinmal und denkt sich seinen Teil, wenn man erkennt, dass es sich nur um einen Aberglauben handelt.
Ein gutes Beispiel dafür, wie unterschiedlich die Fadys von Dorf zu Dorf sein können, ist der Umgang mit Schlangen.
Da Madagaskar keine für den Menschen nennenswert giftige oder gefährliche Schlangen hat, nehmen Wissenschaftler sie oft in die Hand und werden dafür von den Madagassen fassungslos angesehen.
Der Leiter des Centre Valbio bekommt tatsächlich regelmäßig Beschwerdeanrufe von den Dorfbewohnern, die in der Umgebung Forscher dabei beobachtet haben, selbst wenn sie die Schlange nur von der Straße wegtragen.
Die Madagaskar-Hundskopfboa (Sanzinia madagascariensis) zum Beispiel, die mit etwa 2 Metern Länge eine der größten Madagassischen Würgeschlangen ist, wird bei Ihrem Auftauchen in manchen Dörfern als wiederkehrender Geist eines Verstorbenen gefeiert und umsorgt, in anderen als böser Dämon verfolgt und getötet.
Eine studierte Madagassin, die ein amerikanisches Forscherteam begleitet hat, ist neulich nicht mit ausgestiegen, als der Rest der Gruppe auf der Straße eine dieser hübschen Schlangen bewundert hat und hat mir später erklärt, dass ein Stamm-Fady ihr verbietet, Schlangen dieser Art anzufassen!
| Die Madagaskar-Hundskopfboa (Sanzinia madagascariensis) |
| Auf dem Gelände dieser Bungalow-Anlage am Strand von Mananjary sind laut Schild fady: Motorräder, Schweinefleisch, Geschirr und Leichentücher |
Die Madagassen sind von Natur aus trotz ihrer oft schlimmen Armut fröhlich, nett und sehr gastfreundlich. Gerade die Kinder freuen sich meist sehr, Ausländer zu sehen und rufen ihnen ihren Lieblingsgruß "Salamo Vazaha", was soviel wie "Hallo Fremder" bedeutet, schon von Weitem entgegen.
| Neugierige Kinder beobachten einen Forscher, der sich auf der Suche nach Fledermauskot in einen engen Felsspalt gezwängt hat. |
| Ein Senior-Madagasse an einer kleinen Rum-Destille spielt auf einer selbst gebauten Ukulele |
| Ein Madagasse in einem abgelegenen Dorf hört sich geduldig das Klagen der Vazaha über das heiße Wetter an. |
Trotzdem ist der verbreitete Aberglaube nicht der einzige Charakterzug, der einem den Umgang mit ihnen manchmal erschwert.
Es ist sehr deutlich, dass Madagassen ein Problem damit zu haben scheinen, Ausländern, vor denen sie manchmal großen Respekt haben, zu widersprechen! Will man eine wichtige Frage wirklich ehrlich beantwortet haben, darf man sie nicht so formulieren, dass die Antwort "Ja" oder "Nein" sein könnte, in diesem Fall ist sie nämlich immer "Ja".
Der nächste Blogeintrag wird nach meiner nächsten kurzen Dschungel-Expedition folgen.
Bis dahin,
Marc 🐍
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